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Erziehung / Bildung

Digitalisierung in der Schule: Wenn Lehrer mit der Internetverbindung kämpfen

Im Umgang mit dem Tablet oft fitter als die Lehrer: die heutige Schülergeneration.

Nina Toller träumt von einer kleinen IT-Abteilung an der Schule. „Man darf nicht unterschätzen, wie lange es dauern kann, sich mit der Technik zu beschäftigen“, sagt die Lehrerin für Englisch, Latein und Geschichte am Franz-Haniel-Gymnasium in Duisburg. Dabei sei an ihrer Schule die Ausstattung vergleichsweise gut; es gibt Smartboards und eine Internetleitung. „Ich kann einen Hotspot aufbauen. Der funktioniert auch meistens, ist aber manchmal instabil. Und ich muss mein eigenes Gerät mitbringen, sonst wäre kein W-Lan möglich.“ Toller ist aber vor allem deshalb öfter mit technischen Schwierigkeiten konfrontiert als viele andere Lehrer, weil sie regelmäßig mit Hilfe von Internet und Computer, vor allem den Smartphones der Schüler, unterrichtet. Damit gehört sie zu einer kleinen, aber wachsenden Minderheit in Deutschland.

 

Leicht wird und wurde ihr das nicht gemacht. Denn sie muss nicht nur von einer besseren technischen Ausstattung und Unterstützung träumen, was es ohnehin nur an wenigen Vorzeigeschulen gibt. Ihr wurde zudem in der Ausbildung nicht vermittelt, wie man mit Computer und Internet unterrichtet. Dabei hat sie erst vor wenigen Jahren die Hochschule verlassen. „Das Digitale hat eine ganz, ganz geringe Rolle gespielt“, erinnert sie sich. Dass sie dennoch oft mit den neuen Medien unterrichtet, beruht auf Eigeninitiative. „Das Digitale liegt mir irgendwie.“ Vor allem ist sie überzeugt, dass man so die Lernbereitschaft der Schüler steigern kann.

Digitaler Wandel kommt in der Ausbildung der Lehrer viel zu kurz.

Bessere technische Ausstattung gibt es nur in Vorzeigeschulen.

Viele Lehrer haben Angst, sich im Umgang mit Hard- und Software vor den Schülern zu blamieren.

Unter den wenigen Lehrern, die bisher auch in der digitalen Welt kompetent unterrichten können, sind viele, die es wie Toller trotz mangelnder Ausstattung und Unterstützung tun – weil sie von den Vorteilen überzeugt sind. Dazu zählen sie neben der höheren Motivation der Schüler das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit den neuen Medien und weiterer, auch für das spätere Berufsleben wichtiger Fähigkeiten wie Präsentieren, Produzieren, Kommunizieren und das Arbeiten in der Gruppe.

Die Zeit drängt; so sieht es jedenfalls die Wirtschaft. „Von der Grundschule bis zum Eintritt in den Arbeitsmarkt vergehen zwanzig Jahre; doch wir brauchen das digitale Knowhow schon heute“, gibt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom, zu bedenken. So fehlten bereits 51.000 Informatiker. „Jeder Tag, den wir gewinnen, ist ein echter Gewinn, auch für die Wirtschaft.“ Ein verstärktes Lernen in der digitalen Welt fordern auch die Bildungspolitiker aus Bund und Ländern; sie bekunden, die digitale Schule nun einen großen Schritt voranbringen zu wollen.

Ohne die Lehrer wird das nicht gelingen. Doch was ist, wenn ihnen, anders als Junglehrerin Toller, das Digitale nicht einfach so liegt? „Diesen Lehrern wird es schwergemacht“, sagt Rohleder. „Weil Geräte fehlen; und wenn sie da sind, dann funktionieren sie nicht. Und wenn sie funktionieren, dann fehlen gute Lehr- und Lernmaterialien.“ Regelmäßig befragt Bitkom Lehrkräfte zur Digitalisierung der Schule. In einer Umfrage von vor einem Jahr gab knapp die Hälfte an, sie würden gerne öfter digitale Medien einsetzen. Dass sie es nicht täten, liege vor allem an fehlender Technik, Angst vor Technikversagen und der Sorge vor einem zu großen Aufwand. Eine große Mehrheit beklagte, dass nicht ausreichend digitale Lehrmaterialien zur Verfügung stünden und jemand fehle, der sich um die Technik kümmere und bei Problemen helfe.

 

Originalbeitrag:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance

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Bildung und Forschung weiter auf Wachstumskurs

Der Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) soll laut Haushaltsplanentwurf im kommenden Jahr erneut steigen. Laut  Einzelplan 30 des Bundeshaushalts 2017 (18/9200) soll das Ausgabevolumen 17,5 Milliarden Euro betragen und damit um knapp 1,2 Milliarden Euro gegenüber 2016 steigen. Das entspricht einer Erhöhung von rund sieben Prozent. Am Dienstag, 6. September 2016, wird der Einzelplan ab etwa 15.55 Uhr rund 105 Minuten lang in erster Lesung beraten.

Die Debatte wird live im Parlamentsfernsehen, im Internet auf www.bundestag.de und auf mobilen Endgeräten übertragen.

Drei Viertel für Forschung, ein Viertel für Bildung

„Bildung und Forschung sind zentrale Zukunftsinvestitionen, die maßgeblich zum Wohlstand in Deutschland, seinem Innovationsvermögen und seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit beitragen“, schreibt die Bundesregierung. „Bildung erschließt den Menschen Zugang zu Wissen und eröffnet die Möglichkeit zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Teilhabe“, heißt es weiter im Vorwort. Schon in den letzten Jahren war der Etat für Bildung und Forschung stetig angestiegen. Vor 14 Jahren hatten die Ausgaben dafür lediglich sieben Milliarden Euro betragen.

Etwa ein Viertel des Etatentwurfs 2017 entfällt auf den Bildungsbereich. Der überwiegende Teil fließt in Forschung und Wissenschaft. Die erwarteten Einnahmen sinken um 47,6 Millionen auf 36,2 Millionen Euro. Die Personalausgaben steigen laut Entwurf von 104,6 Millionen Euro 2016 auf  113,8 Millionen Euro 2017. Die sächlichen Verwaltungsausgaben steigen von 65,04 Millionen Euro um 4,86 Millionen auf 69,6 Millionen Euro. Die Zuweisungen und Zuschüsse steigen nach den Plänen der Regierung von 14,19 Milliarden Euro um 1,15 Milliarden Euro auf 15,34 Euro in diesem Jahr. Für Investitionen sind 2,45 Milliarden Euro gegenüber 2,34 Milliarden Euro in diesem Jahr eingeplant.

Wissenschafts- und Innovationssystem

Die höchsten Ausgaben sieht der Haushalt für die Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschafts- und Innovationssystems vor. Die Bundesregierung will dafür rund 7,01 Milliarden Euro (2016: 6,53 Milliarden Euro) ausgeben. Mit einem wettbewerbsfähigen Wissenschafts- und Innovationssystem sollen die Grenzen des Wissens erweitert, neue Technologien und Anwendungen ermöglicht und in neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen übersetzt werden.

Dazu hatte die Bundesregierung drei große Pakte mit den Ländern abgeschlossen, den Hochschulpakt 2020, die Exzellenzinitiative und den Pakt für Forschung und Innovation. Mit dem Hochschulpakt 2020, für den im Haushalt 2017 über 2,8 Milliarden Euro (2016: 2,5 Milliarden Euro) vorgesehen sind, sollen an den Hochschulen zusätzliche Studienplätze geschaffen werden.

Forschung an Hochschulen

Für die Projektausgaben in Forschungsvorhaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird eine Programmpauschale bereitgestellt, wodurch die Forschung an Hochschulen gestärkt werden soll. Für weitere Maßnahmen zur Entwicklung des Hochschul- und Wissenschaftssystems wie etwa den Qualitätspakt Lehre, der der Verbesserung von Studienbedingungen und Lehrqualität dient, sind bis 2020 insgesamt rund zwei Milliarden Euro vorgesehen, davon 200 Millionen Euro im Haushalt 2017.

Darüber hinaus werden für die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen in den Jahren 2011 bis 2017 Mittel im Umfang von 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt; der Anteil des Bundes (75 Prozent) beträgt dabei insgesamt rund zwei Milliarden Euro, davon im Jahr 2017 knapp 360 Millionen Euro. Mit der Exzellenzinitiative sollen Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Universitäten und Wissenschaft gefördert werden.

Pakt für Forschung und Innovation

Entsprechend dem Pakt für Forschung und Innovation von 2016 bis 2020 steigen die institutionellen Zuwendungen an die außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen Max-Planck-Gesellschaft (rund 880 Millionen Euro), Leibniz-Gemeinschaft (rund 490 Millionen Euro) und Deutsche Forschungsgemeinschaft (über 1,25 Milliarden Euro). Sie sollen bis 2020 jährlich um drei Prozent steigen. Die Steigerung trägt der Bund allein.

Auf Basis des neugefassten Artikels 91b des Grundgesetzes wird die mit der Exzellenzinitiative begonnene Förderung von Spitzenforschung an Universitäten fortgeführt. Die Exzellenzstrategie wird zukünftig Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten in Deutschland fördern. Weitere neu beschlossene Projekte sind die Förderinitiative „Innovative Hochschule“ sowie das Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses soll die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems durch die strukturelle Verankerung von zusätzlichen rund 1.000 Tenure-Track-Professuren in Deutschland stärken. Die sogenannte Tenure-Track-Professur sieht nach erfolgreicher Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor.  

Der zweite große Posten ist für die Projektförderung für Forschung und Innovation veranschlagt. Die Hightech-Strategie wurde in dieser Legislaturperiode zu einer umfassenden ressortübergreifenden Innnovationsstrategie weitentwickelt und hat zum Ziel, die Position Deutschlands im globalen Wettbewerb der Wissensgesellschaft weiter zu stärken. Der Etat steigt nach dem Entwurf von 5,64 Milliarden Euro auf 6,08 Milliarden Euro 2017. Im Zentrum steht die Förderung der Forschung mit dem Instrument der Projektförderung.

Innovation durch neue Technologien

Danach stehen für Innovation durch neue Technologien insgesamt rund 750 Millionen Euro (2016: 650 Millionen Euro) zu Verfügung, für Lebenswissenschaften rund 540 Millionen Euro (2016: 506 Millionen Euro), für Klima und Energie rund 512 Millionen Euro (2016: 469 Millionen Euro), für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung rund 314 Millionen Euro (2016: 291 Millionen Euro), für neue Konzepte für den Wissens- und Technologietransfer und die regionale Förderung in den neuen Ländern rund 450 Millionen Euro (2016: 345 Millionen Euro).

Für die Stärkung der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens und die Nachwuchsförderung, den dritten Posten, steigen die Ausgaben von 4,36 Milliarden Euro auf 4,73 Milliarden Euro 2017. Dazu zählen Maßnahmen zur Stärkung des Lernens im Lebenslauf mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Millionen Euro und solche zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung in Höhe von rund 266 Millionen Euro.

Bildungsfinanzierung durch den Bund

Darüber hinaus sind hier die Studien-, Fortbildungs- und sonstige individuelle Bildungsfinanzierung durch den Bund (BAföG und berufliche Aufstiegsfortbildung sowie die Leistungen der Begabtenförderungswerke, der beruflichen Begabtenförderung und das nationale Stipendienprogramm Deutschlandstipendium) mit einer Summe von rund 3,3 Milliarden Euro verankert. Benachteiligte Kinder und Jugendliche sollen auch außerschulisch stärker gefördert werden.

Für die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“, die entscheidend zur Verbesserung von Unterricht und Schule beitragen soll, sind in ihrem dritten Jahr 60 Millionen Euro vorgesehen. Ferner soll die berufliche Bildung weiter modernisiert und gestärkt werden. Ausbildungsverordnungen bestehender Berufe sollen ebenfalls modernisiert werden. Dafür steigen die Mittel von 473,34 Millionen Euro auf 530,49 Millionen Euro. (rol/24.08.2016) 

Aufgespürt auf:

www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw36-ak-bildung-forschung

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Mehr Möglichkeiten beruflicher Weiterbildung

Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung erhalten bei Teilnahme an einer abschlussbezogenen Weiterbildung künftig Prämien für bestandene Zwischen- und Abschlussprüfungen. Der Vorrang, jemanden in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln, soll einer Weiterbildung künftig nicht mehr im Weg stehen, wenn durch diese eine dauerhafte berufliche Eingliederung erreicht werden kann.

Das beschloss der Bundestag am Donnerstag, 2. Juni 2016, indem er mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD den geänderten Gesetzentwurf (18/8042) der Bundesregierung zur Stärkung der beruflichen Weiterbildung und des Versicherungsschutzes in der Arbeitslosenversicherung (AWStG) annahm. Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich bei der Abstimmung.

Regierungsentwurf und Anträge der Opposition

Zu den umfangreichen Regeln des Entwurfes gehört auch, dass Menschen, die ihre Beschäftigung oder den Bezug von Arbeitslosengeld durch eine länger andauernde Weiterbildung unterbrechen, den zuvor bestehenden Arbeitslosenversicherungsschutz auf dem Weg einer freiwilligen Weiterversicherung durch Zahlung eigener Beiträge aufrechterhalten können. Außerdem wird eine bis Ende 2016 befristete Sonderregelung zur verkürzten Anwartschaftszeit für überwiegend kurzzeitig Beschäftigte bis 31. Juli 2018 verlängert.

Grüne und Linke hatten jeweils eigene Anträge eingebracht, die jedoch abgelehnt wurden. Die Linke hatte in ihrem Antrag (18/7425) unter anderem gefordert, die Rahmenfrist, innerhalb derer Anwartschaftszeiten für den Bezug von Arbeitslosengeld (ALG I) erworben werden müssen, von zwei auf drei Jahre heraufzusetzen und die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld zu verlängern.

Die Grünen plädierten in ihrem Antrag (18/5386) ebenfalls dafür, Beitrags- und Anwartschaftszeiten grundlegend neu zu regeln. So sollte schon nach viermonatiger Beitragszeit ein zweimonatiger Bezug von Arbeitslosengeld möglich sein und die freiwillige Arbeitslosenversicherung für alle Selbstständigen geöffnet werden.

Bundesregierung: Präventive Arbeitsmarktpolitik

Anette Kramme (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, lobte den Gesetzentwurf als „Beitrag für eine präventive und aktivierende Arbeitsmarktpolitik“, von dem Menschen profitieren, denen Weiterbildung bisher verschlossen war.

Sie betonte, dass sich die SPD in Bezug auf eine Verlängerung der Rahmenfrist auf drei Jahre mehr erhofft hätte, dies aber „nicht erreichbar“ gewesen sei.

Linke: Es gibt kaum Weiterbildungsangebote

„Eine tatsächliche Stärkung der Weiterbildung suche ich in dem Entwurf vergeblich“, resümierte dagegen Sabine Zimmermann (Die Linke).

Sie warf der Bundesregierung vor, das Bild des unmotivierten Erwerbslosen zu bemühen, wenn sie davon rede, mit Prämien die Motivation stärken zu wollen. „Das ist schäbig. Denn die Wahrheit ist: Viele Erwerbslose wollen sich weiterbilden, aber es gibt kaum Weiterbildungsangebote für sie.“

CDU/CSU: Wir schließen Lücken

Albert Weiler (CDU/CSU) hielt dagegen: „Mit dem Gesetzentwurf nehmen wir vor allem Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose in den Focus, um sie zu qualifizieren.“ Derzeit breche jeder vierte Teilnehmer seine Weiterbildung vorzeitig ab. Diese Zahl zu reduzieren, sei der richtige Weg, so Weiler.

Außerdem würden Lücken in der Arbeitslosenversicherung geschlossen, durch die Möglichkeit, sich während einer Weiterbildung freiwillig weiter zu versichern.

Grüne: Mit zweierlei Maß

Brigitte Pothmer (Bündnis 90/Die Grünen) erkannte zumindest eine Gemeinsamkeit mit der Bundesregierung, nämlich in der Feststellung, dass Deutschland ein Fachkräftearbeitsmarkt sei und man in die Fachkräfte investieren müsse. „In begrenztem Umfang“ tue dies der Gesetzentwurf für die Bezieher von Arbeitslosengeld I, sagte Pothmer.

Sie warf der Regierung jedoch vor, mit zweierlei Maß zu messen, weil sie bestimmte sinnvolle Änderungen, wie die Abschaffung des Vermittlungsvorrangs, nicht auf SGB-II-Bezieher (Hartz IV) ausdehne. „Sie haben die SGB-II-Bezieher vollständig abgeschrieben“, warf sie der Regierung vor.

SPD: Neue Wege eröffnen

Für die Sozialdemokraten betonte Michael Gerdes (SPD): „Wir verabschieden das Gesetz, damit mehr Menschen Zugang zu beruflicher Weiterbildung und Ausbildung haben. Wir wollen denjenigen, die bisher von Arbeit und Ausbildung ausgeschlossen sind, neue Wege eröffnen.“ Es sei nicht hinnehmbar, dass die Mehrheit der Menschen im SGB-II-Bezug keinen Berufsabschluss hat.

Je geringer die Qualifikation, je geringer seien die Chancen, desto weniger Teilhabe gebe es. „Wir wollen als Sozialdemokraten selbstverständlich das Gegenteil“, bekräftigte Gerdes. (che/02.06.2016)

 

Entdeckt auf:

http://www.bundestag.de/blueprint/servlet

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Zehn Jahre nach dem Rütli-Schul-Aufruf: Radikal reformiert

Zehn Jahre nach dem Rütli-Schul-Aufruf

Der Brief der Neuköllner Rütli-Schule machte Geschichte. Heute ist die ehemalige Hauptschule ein Vorzeigeprojekt. Doch wie sieht es an anderen Schulen aus?

Der Brief der Neuköllner Rütli-Schule machte Geschichte. Setzte er doch einen Prozess in Bewegung, an dessen Ende die Hauptschule als Verliererschule faktisch abgeschafft wurde. Heute besucht nur noch jeder zehnte Schüler eine Hauptschule.

Ziemlich exakt zehn Jahre ist es her, als ein von LehrerInnen einer Neuköllner Hauptschule verfasster Brief an die Öffentlichkeit gelangte. Darin beklagten sie die Zustände im Klassenraum: „Lehrkräfte werden gar nicht wahrgenommen, Gegenstände fliegen zielgerichtet gegen Lehrkräfte durch die Klassen, Anweisungen werden ignoriert.“ Sie stellten das gegliederte Schulsystem infrage: „Welchen Sinn macht es, dass in einer Schule alle Schüler/innen gesammelt werden, die weder von den Eltern noch von der Wirtschaft Perspektiven aufgezeigt bekommen, um ihr Leben sinnvoll gestalten zu können.“

Doch Schulen wie die Rütli-Schule damals gibt es immer noch. Nur heißen sie jetzt anders. Eine solche Schule ist die Berliner Integrierte Sekundarschule Hector Peterson. Die Schule versucht aus eigener Kraft, den Ruf der Verliererschule abzulegen und reformiert sich dafür radikal. Wie ihr das gelingt und warum die Schulleiterin derzeit nur ein gemischtes Fazit ziehen kann, lesen Sie in der taz.am wochenende.

Bildung ist ein Chancenbeschleuniger. Je höher der Abschluss, desto leichter der Eintritt in den Arbeitsmarkt und desto höher das Einkommen. Das zeigt der in dieser Woche veröffentlichte Sozialbericht des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung.

Noch keine Chancengleichheit

Die Integration der Hauptschulen in andere Schulformen hat jedoch nicht dazu geführt, dass heute Chancengleichheit herrscht. Das zeigen etwa Zahlen der Berliner Senatsbehörde für Bildung, die der taz vorliegen. In Berlin gibt es zwei Oberschulformen, die auf dem Papier gleichwertig sind: Gymnasien und Integrierte Sekundarschulen. Doch nur jede dritte Sekundarschule besitzt eine eigene Abituroberstufe. Das wirkt sich auf die Schülerschaft aus. An drei von vier Sekundarschulen ohne Abiturstufe sind mindestens 40 Prozent Schüler, beziehungsweise deren Familien, auf staatliche Unterstützung angewiesen oder sind zugewandert. Nicht einmal jedes dritte Berliner Gymnasium erreicht diese Werte.

Bundesweit das gleiche Bild. In Hamburg, beispielsweise, wo die Schulstruktur ähnlich ist, ist fast jeder dritte Schüler einer Stadtteilschule sehr niedriger oder niedriger sozialer Herkunft, ein doppelt so hoher Anteil wie an den Gymnasien.

Warum das so ist? Weil mit der Stärkung der Institution Gymnasium, das Klassensystem Schule insgesamt erhalten blieb. So die These der Geschichte in der taz.am wochenende.

 

Aufgespürt:

http://www.taz.de

Kinder

Kinder auf den Besuch bei Oma und Opa vorbereiten

Ein Besuch bei den Großeltern ist für die meisten Kinder etwas ganz Tolles. Sie freuen sich riesig darauf und genießen die gemeinsamen Stunden mit Oma und Opa in vollen Zügen. Schon bald ist Kindern nämlich klar, dass die Großeltern vieles gelassener nehmen als ihre Eltern und auch um einiges mehr Zeit haben, sich mit ihnen zu beschäftigen und zu spielen, als Mama und Papa. Die Zuneigung und Freude beruht meistens auf Gegenseitigkeit, dadurch haben Großeltern und Enkel häufig einen ganz besonderen Draht zueinander und bilden ein wunderbares Team.

 

Doch nicht immer verläuft der Besuch bei Oma und Opa so, wie sich Eltern das wünschen. Lassen Großeltern ihren Enkelkindern nämlich zu viele Freiheiten und verwöhnen sie zu sehr, so kann dies zu Konflikten mit den Eltern führen. Daher sollten Vater und Mutter, zusammen mit den Kindern und den Großeltern im Vorfeld einige Regeln festlegen, an die sich die Kinder zu halten haben. Denn nur durch feste Absprachen kann man Generationskonflikte entgegenwirken oder vielleicht sogar ganz vermeiden.

 

Wie Sie Ihre Kinder und auch die Großeltern am besten auf den Besuch vorbereiten!

  • Kinder wissen ganz genau, welche Sonderstellung sie bei ihren Großeltern einnehmen und dass Oma und Opa öfter mal ein Auge zudrücken. Doch damit es nicht überhand nimmt, sollten Sie Ihrem Kind klar und deutlich sagen, dass es auch bei den Großeltern bestimmte Grundregeln gibt, die es zu befolgen hat.
  • Legen Sie diese Grundregeln vorab bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem Kind und den Großeltern fest, denn so können sich beide Seiten besser auf den Besuch einstellen und vorbereiten. Falls nicht anders möglich, können Sie die Absprachen auch telefonisch treffen.
  • Außerdem ist es sinnvoll, Ihrem Kind zu erklären, dass Oma und Opa möglicherweise nicht mehr so belastbar sind und ihre Grenzen manchmal schneller erreichen, als Ihr Kind es bisher von ihnen gewohnt ist. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es bestimmte Dinge betreffen Rücksicht nehmen sollte auf die Großeltern, z. B. beim spielen nicht zu laut sein, nicht zu sehr herumtoben, sich gut benehmen und gehorchen, damit Oma und Opa nicht in Stress geraten und mit der Situation evtl. überfordert sind.
  • Da Großeltern teilweise nicht so üppig mit Spielsachen ausgestatte sind, um Kinder über längere Zeit zu beschäftigen, ist es vorteilhaft, wenn Ihr Kind noch Spielzeug von daheim mitnimmt. Am besten lassen Sie Ihr Kind selbst etwas von seinem Spielzeug aussuchen und einpacken. Allerdings sollte auch etwas dabei sein, womit sich Ihr Kind allein beschäftigen kann, während Oma und Opa zwischendurch eine Ruhepause einlegen oder anderweitig dringend etwas zu erledigen haben. Ratsam ist, dass Sie nochmals ein Auge darauf werfen, bevor Ihr Kind die Spielsachen einpackt.
  • Bleibt Ihr Kind zum Übernachten bei den Großeltern, dann braucht es sicherlich auch sein Lieblingskuscheltier und unter Umständen sein eigenes Kopfkissen oder eine Kuscheldecke, um sich wohlzufühlen.
  • Geht Ihr Kind länger zu Oma und Opa, ist es sinnvoll, wenn Sie im Vorfeld abklären, was während der Ferien alles auf dem Programm steht und dann zusammen mit Ihrem Kind die Tasche packen. Denn so weiß auch das Kind, was es alles dabei hat. Es gehören sowohl gute Kleidung zum weggehen, als auch ältere Sachen für den Garten oder den Spielplatz ins Gepäck. Im Sommer sind zudem Badekleidung und Sonnenschutz wichtig.
  • Muss Ihr Kind regelmäßig irgendwelche Medikamente nehmen oder leidet es an einer Allergie, müssen Sie dies den Großeltern mitteilen und auch Ihrem Kind (sofern es groß und reif genug ist) ins Gewissen reden, dass es daran denkt.
  • Machen Sie Ihrem Kind den Besuch bei den Großeltern schmackhaft und versprechen Sie ihm, dass es Sie im Nofall immer erreichen kann. Halten Sie dieses Versprechen unbedingt ein, denn sonst wird Ihnen Ihr Kind nicht mehr vertrauen, was einer guten Eltern-Kind-Beziehung enorm schadet.
  • Stellt Ihr Kind im Vorfeld Fragen zum Besuch bei Oma und Opa, so sollten Sie ihm diese ausführlich und ehrlich beantworten. Sie können so eventuelle Unsicherheiten Ihres Kindes aus dem Weg räumen und die Vorfreude auf den Aufenthalt bei den Großeltern steigern.
  • Erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie selbst alles in Ihrer Kindheit mit den Großeltern erlebt haben.
  • Hat Ihr Kind aber trotz allem Heimweh und möchte wieder nach Hause, sollten Sie es baldmöglichst abholen, es könnte sonst künftig zu Problemen führen, was Besuche bei Oma und Opa betrifft.

Am einfachsten ist es, wenn Kinder schon als Baby ständigen Kontakt zu den Großeltern haben, so dass Oma und Opa weitere Bezugspersonen für das Kind sind und es sich bei ihnen wie zuhause fühlt. Natürlich ist das nicht immer möglich, denn schließlich kommt es auch darauf an, ob die Großeltern gleich um die Ecke oder weiter weg wohnen.

Aufgespürt:

www.vorname.com/ratgeber/familie/kinder-auf-den-besuch-bei-oma-und-opa-vorbereiten-12452

Kinder

Basteln mit Moosgummi

Basteln mit Moosgummi fördert die Kreativität, regt die Fantasie an und ist kinderleicht
Moosgummi gehört bereits seit vielen Jahren mit zu den beliebtesten Bastelmaterialien. Der aus synthetischem Kautschuk hergestellte elastische Schaumstoff wird im Hobbybereich in Form von Platten oder Formteilen angeboten. Das softe, nicht färbende Material liegt den kleinen Bastelkünstlern gut in der Hand. Schon Bastelanfänger können es mühelos schneiden. Kinder mögen besonders die glatte, moosweiche Oberfläche ohne scharfe Kanten.

Das langlebige Bastelmaterial ist preiswert zu erwerben und sehr verarbeitungsfreudig, sodass bereits kleine Kinder schnell Erfolgserlebnisse sehen. So lassen sich mit den feinporösen, ultraleichten Schaumstoffblättern beispielsweise Figuren, Tiere, Stempel, Türschilder, Fensterbilder, Schultüten oder Schmuck basteln und anschließend individuell gestalten. Moosgummi harmonisiert mit vielen Basteltechniken und Materialien. Dadurch können auch ältere, bastelerfahrene Kinder immer neue Bastelideen umsetzen. Der Kreativität und Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

 

Moosgummi bereitet Kindern ab etwa zwei Jahren ultimativen Bastelspaß. Ganz nebenbei werden Feinmotorik und Konzentration trainiert. Oftmals finden sogar die Eltern beim gemeinsamen Basteln zur Ruhe.

Der Handel bietet Moosgummi in unterschiedlichen Formen an. Dazu gehören Moosgummiplatten in verschiedenen Stärken, Größen, Farben und Motiven sowie unterschiedlichste Stanzteile, beispielsweise Herzen, Blumen, Gesichter, Zahlen oder Buchstaben. Zur Angebotsvielfalt gehören zudem selbstklebende Moosgummi-Sticker und Schaumstoff-Blätter sowie praktische Sets mit reichhaltigem Zubehör.

Arbeitsunterlage
Um die Arbeitsfläche vor Klebeflüssigkeit zu bewahren, eignen sich beispielsweise Wachstuchtischdecken. Zum Schutz vor Schnitten und Kratzern bietet der Handel spezielle Schneidematten an. Alternativ schützt auch ein stabiler Karton.

Schneidewerkzeuge
Zum Schneiden benötigen die jungen Hobbybastler eine kleine handliche (Bastel-) Schere. Altersabhängig können Rundungen mit einer Nagelschere und gerade Linien mit einem Cutter, Skalpell oder Rollschneider geschnitten werden. Spezielle Motivlocher stanzen mühelos verschiedene Formen in das Bastelmaterial.

Transparent- oder Butterbrotpapier
Mithilfe dieser beiden Hilfsmittel lassen sich die Konturen des Wunschmotivs besonders leicht von der Vorlage auf das Moosgummi übertragen.

Weicher Bleistift oder Bügelmusterstift,

Prägestift,

Fineliner (wasserfest),

Klebstoff
Zum Zusammenfügen einzelner Moosgummiteile eignet sich Flüssigkleber. Lösungsmittelfreie Produkte kleben, ohne störende Fäden zu bilden. Alternativ bietet der Handel auch spezielle Moosgummikleber an.

Büroklammer, Klebestreifen.

 

Basteln mit Moosgummi – Anleitung

  • Übertragung
    Zuerst wird ein Stück Transparentpapier auf das gewünschte Motiv gelegt. Klebestreifen verhindern, dass das Papier verrutscht. Nun müssen alle Motivteile mit dem Bügelmusterstift/Bleistift nachgezeichnet werden, sodass sie auf dem transparenten Papier zu sehen sind.Nun wird das Transparentpapier seitenverkehrt auf das Moosgummi gelegt. Zur Fixierung dienen Büroklammern. Nun können die Umrisse mit dem Prägestift nachgezogen werden. Wichtig ist, dass hierbei etwas Druck ausgeübt wird, damit die Linien anschließend besser erkennbar sind.Die Konturen des aufgeprägten Motives werden zum Schluss noch mit dem Fineliner nachgezogen.
  • Ausschneiden
    Jetzt erfolgt das möglichst exakte Ausschneiden der nachgezogenen Linien mit den genannten Schneidewerkzeugen.
  • Zusammenfügen
    Bei mehrteiligen Motiven müssen die ausgeschnittenen Teile noch mithilfe des Klebers zusammengefügt werden.

Tipp

Um eine saubere Schnittkante zu erhalten, sollte das Schneidewerkzeug möglichst scharf sein und die Moosgummiplatte während des Schnitts immer mitgedreht werden. Zudem empfiehlt es sich, die Schere so wenig wie möglich abzusetzen.

 

zur Webseite:

http://www.vorname.com/ratgeber

Erziehung / Bildung

Haarmoden mit Fußnoten

Über Haare, Frisuren und Haarpflege lässt sich mehr schreiben, als man so denkt. Und das auch noch richtig wissenschaftlich.

Palmblattfasern und Wolle mischten die alten Ägypter mit menschlichem Haar, um Perücken und Haarteile herzustellen. So ließen sie schon in der Antike das eigene Haar fülliger aussehen oder verlängerten es. Perücken dienen heute oft medizinischen Zwecken, Haarverlängerungen sind aber bei Stars wie Lady Gaga und in der Brautmode häufig zu finden. Das und vieles mehr über Haare ist im Frisuren-Blog „Street Hair“ nachzulesen, der Haarmoden wissenschaftlich untersucht.

Den Blog, der unter www.streethair.wordpress.com zu finden ist, schreiben Studenten des Arbeitsbereiches Mode und Ästhetik der Technischen Universität Darmstadt. Die Idee stammt von der Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Alexandra Karentzos, die seit 2011 Professorin für Mode und Ästhetik an der TU ist. „Es gab noch keine wissenschaftlichen Frisuren-Blogs“, sagt Karentzos. Sie will nicht wie die Autoren unzähliger anderer Blogs für Trends Werbung machen, sondern sie wissenschaftlich und soziokulturell erklären. „Der Blog soll ein Archiv der Trends sein.“ Es geht darin nicht nur um die Haare auf dem Kopf, sondern auch um Körper- und Schambehaarung. Dass Haare bisher so selten Forschungsgegenstand waren, erklärt Karentzos sich auch damit, dass die Kulturwissenschaft in Deutschland noch vergleichsweise jung ist. „Erst seit Kurzem wird der Fokus auch auf scheinbar abseitige Themen wie Haare und Frisuren gelegt.“

Seit dem Sommersemester 2014 gibt es den Blog. Zum einen beschäftigt er sich mit aktuellen Trends. Sie sind in der Rubrik „Street Style“ zu finden, für die die Studenten Leute auf der Straße ansprechen und deren Frisuren fotografieren. „Haar historisch“ wiederum erklärt außer der Geschichte von Perücken und Haarverlängerungen etwa die religiöse Bedeutung von Haaren. In der biblischen Geschichte von Simson und Delilah gelten sie als „Sitz der Seele, des Lebens und der Kraft“ – Delilah schneidet Simson die sieben Locken ab, mit jeder verliert er an Stärke.

Fußnoten belegen die Blog-Einträge, eine Literaturliste verweist auf Bücher wie „Tragbare Stürme: von spurtenden Haaren und Windstoßfrisuren“ und „Hair! Das Haar in der Kunst“. In den „Hair Tutorials“ werden aber auch einfach Schritt für Schritt Frisuren zum Nachmachen erklärt. Unter „Didaktik“ gibt es Aufgaben für angehende Friseure – Übungen zu Flecht-Techniken zum Beispiel. Bald werden in der Kategorie „Haarmode museal“ Trends aus verschiedenen Epochen erklärt, die die Studenten in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesmuseum erforscht haben. „Haare als Widerstandspotential“ ist das Blog-Thema im Sommersemester 2016.

Mehr zum Thema

„Haare haben immer eine Konnotation“, sagt die Studentin Daniela Herzog. Sie seien stets der Mode unterworfen – selbst die Verweigerung von Trends sei eine Aussage. Die 36 Jahre alte Friseurmeisterin und Visagistin, die nach dem Abitur Literatur- und Kulturwissenschaften studiert hat, ist seit dem Wintersemester 2013 für das Fach Körperpflege eingeschrieben. Um hierfür zugelassen zu werden, müssen die Bewerber mindestens ein 52 Wochen langes Praktikum in einem fachnahen Beruf absolviert haben. Herzogs Kommilitonin Damaris Rief hat eigens für ihr Studium eine Friseurlehre gemacht. Die meisten Studenten – im vergangenen Wintersemester ausschließlich Frauen – sind Kosmetikerinnen oder Friseurinnen. Viele wollen nach dem Körperpflege-Abschluss Berufsschullehrerinnen werden. Rief sagt: „Mir hilft die Ausbildung sehr, gerade in der Didaktik.“

Die Studenten besuchen Vorlesungen der Biologie, der Chemie sowie der Mode und Ästhetik, wo sie etwa Kunst-, Kulturgeschichte und Modetheorie lernen – und den Haar-Blog schreiben. „Bei Körperpflege denken viele an Altenpflege“, sagt Herzog. Viele Leute täten so, als sei das kein Studium wert. Sie hätten keine Ahnung, wie viel Wissenschaft dahinterstecke. Mit dem Blog „Street Hair“ soll das wenigstens einigen klargemacht werden.

Originalbeitrag:

www.faz.net/aktuell/beruf-chance/

Erziehung / Bildung

Zielgruppe Studienabbrecher

Mark Zuckerberg, Stefan Raab, Anke Engelke, alle haben es getan: Das Studium geschmissen. Studienabbrecher sind in bester Gesellschaft.

Ausbildung statt Studium: Unternehmen in der Region der IHK Rhein-Neckar suchen Leute, die Theorie mit viel Praxis verbinden wollen. Die IHK Rhein-Neckar bietet eine Plattform, auf der Studienabbrecher auf Unternehmen mit passenden freien Ausbildungsplätzen treffen können. In persönlichen Beratungsgesprächen mit der Zielgruppe werden zunächst durch die IHK Alternativen innerhalb der dualen Ausbildung aufgezeigt und der Kontakt zu potenziellen Ausbildungsbetrieben hergestellt. Interessierte Unternehmen können über die Ansprechpartnerin bei der IHK (s.a. „Ansprechpartner“) Kontakt zu den Ausbildungsplatzsuchenden aufnehmen. Studienabbrecher bringen häufig bereits umfangreiche Vorkenntnisse sowie Praxiserfahrungen mit und können aufgrund der Anrechnung von Vorbildung sowohl zu einem späteren Ausbildungsbeginn starten als auch die Ausbildungszeit wesentlich verkürzen. 

 

Aufgespürt:

www.rhein-neckar.ihk24.de/standortpolitik/fachkraefte/Studienabbrecher/

Erziehung / Bildung

Votum über Anerkennung ausländischer Abschlüsse 

Der Deutsche Bundestag stimmt am Donnerstag, 12. November 2015, über einen Gesetzentwurf zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen (18/5326) ab. Mit dem Regierungsentwurf soll die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 umgesetzt werden, nach der die Verfahren zur Anerkennung von Qualifikationen in reglementierten Berufen in der EU modernisiert und vereinfacht werden sollen. Die Debatte beginnt gegen 20.15 Uhr und dauert eine dreiviertel Stunde.

Die Debatte wird live im Parlamentsfernsehen, im Internet und auf mobilen Endgeräten übertragen.

Sachverständige lobten und kritisierten Entwurf

Deutliche Detailkritik hatte es an dem Entwurf sowie an dem Bericht zum Anerkennungsgesetz 2015 (18/5200) in einer Expertenanhörung am 30. September 2015 im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung gegeben, wenn auch die Experten grundsätzlich das Anerkennungsgesetz gelobt hatten. Auch deshalb hatten sich die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD zu einem Entschließungsantrag entschlossen, den sie ebenso wie die genannten Drucksachen in der Ausschusssitzung am 4. November 2015 zur Abstimmung gestellt hatten. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen votierte dagegen, Die Linke enthielt sich.

Darin begrüßten die Koalitionsfraktionen, dass sich die Bundesländer verpflichtet haben, die für die Anerkennung der ausländischen Bildungsabschlüsse zuständigen Stellen und die von den Ländern finanzierte Zentralstelle für das ausländische Bildungswesen angemessen auszustatten. Gleichwohl sollten die Bundesländer dazu angeregt werden, noch stärker für ein transparent nachvollziehbares und vergleichbares Anerkennungsverfahren Sorge zu tragen. Ferner soll die Bundesregierung zügig prüfen, inwieweit begleitende finanzielle Unterstützungsangebote für Nachqualifizierungsmaßnahmen in Ergänzung zu bestehenden Angeboten notwendig sind. Ferner sollen die Verfahrenskosten sozialverträglich ausgestattet werden.

Erhöhung der Anerkennung beruflicher Abschlüsse

Grundsätzlich sollen mit dem Anerkennungsgesetz die Verfahren zur Bewertung ausländischer Berufsqualifikationen im Zuständigkeitsbereich des Bundes vereinfacht und für bisher nicht anspruchsberechtigte Zielgruppen geöffnet werden.

Doch viele Antragsteller hätten kaum Chancen auf Begleichung der Kosten, hatten die Fachleute gemahnt und würden deshalb keine Anerkennung ihrer Qualifikation erreichen. Auch müsse die Anerkennung beruflicher Abschlüsse erhöht werden, auch wenn kein formaler Abschluss vorliege aber Berufserfahrungen nachgewiesen werden könnten.

 

Zuerst veröffentlicht auf:

 

http://www.bundestag.de/dokumente/

Erziehung / Bildung

Lehrberufe – Instrumentenbau: Wo Tischlern, Akustik und Architektur zusammenkommen

Lehrlinge im Instrumentenbau benötigen Geduld, Liebe zum Detail und körperliche Belastbarkeit. Aber auch technisches und musikalisches Verständnis sind gefragt

Zither und Akkordeon erklingen im Treppenhaus, es duftet nach Holz, und im Klassenzimmer hängt eine Klaviatur an der Wand. Die Wiener Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack (BS HKFL) versammelt Lehrlinge elf verschiedener Lehrberufe unter einem Dach. Neben Herkömmlichem wie Tischlerei und Lackiertechnik werden hier auch Lehrgänge für Bildhauerei und Musikinstrumentenerzeugung angeboten.

Die Schüler und Schülerinnen der Klassen für Musikinstrumentenerzeugung (MUS) kommen aus ganz Österreich nach Wien, um ergänzend zur betrieblichen Ausbildung die Berufsschule zu besuchen. „Seit rund 50 Jahren hat sich der bundesweite Lehrgang für Instrumentenbau in Wien etabliert“, sagt der Fachlehrer und Orgelbaumeister Ulrich Riediger.

Heterogene Klassen

Seit 27 Jahren unterrichtet Riediger die MUS-Klassen in Fächern wie Akustik, Angewandte Mathematik, Angewandte Physik und Technologie. Spannend ist für ihn „die heterogene Zusammensetzung der Klassen“, betont er. „Die Schüler haben unterschiedliche Zugänge: von Pflichtschulabgängern über Maturanten, Personen, die schon einen anderen Beruf erlernt hatten, bis zu mitunter fertigen Akademikern ist alles dabei.“ Ein Drittel der Instrumentenbaulehrlinge ist weiblich.

Von der Monarchie bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in Wien Lehrlinge im Instrumentenbau ausgebildet. „Mit den Modellen aus dieser Zeit arbeiten wir heute noch“, sagt Riediger. Auf der gemeinsamen Stundentafel stehen auch Fächer wie Rechnungswesen, Politische Bildung und berufsbezogenes Englisch. Für die spezielle Instrumentenkunde, computergestütztes Fachzeichnen und das Praktikum in den Werkstätten werden die Schüler nach Lehrberufen aufgeteilt.

Orgelbau: Von Akustik bis Zimmereitechnik

„Das Besondere am Orgelbau ist, dass viele Berufe in einem zusammengefasst sind“, sagt Riediger. Techniken und Fertigkeiten aus (Kunst-)Tischlerei, Metallverarbeitung, Architektur, Elektronik und Akustik vereinen sich in einem Berufsbild. Ebenso kommen Design, Zimmerei- und Restauriertechniken zum Einsatz. „Der Orgelbau bietet eine universelle handwerkliche Ausbildung.“ Geduld, Liebe zum Detail und körperliche Belastbarkeit, aber auch feinmotorische Fähigkeiten, technisches und musikalisches Verständnis sollten Orgelbaulehrlinge mitbringen. Am wichtigsten aber sei „das Interesse am Produkt“.

Martin Behringer bringt all das mit. Von Deutschland kam er nach Dornbirn, um in der Firma Rieger Orgelbau eine Lehre zu beginnen. Der Orgelbaulehrling schätzt das innovative Produkt und das attraktive Ausbildungsangebot. „Es ist sehr abwechslungsreich, und innerhalb des Berufs ist eine Spezialisierung möglich“, sagt Behringer. Er selbst spielt Klavier und Orgel, bei einem Kurs für Kirchenmusiker hat ihn „der Orgelbau gepackt“.

Besondere Bindung zum Blechblasinstrument

Ideale Voraussetzung für eine langjährige Berufskarriere. „Wenn jemand selbst spielt, besteht eine besondere Bindung zum Instrument. Das Verschmelzen von Hobby und Beruf bringt meist die besten Leute hervor“, sagt Johann Schnaubelt. Der Meister in Blechblasinstrumentenerzeugung unterrichtet seit 15 Jahren die jeweiligen Schüler in den MUS-Klassen.

Wichtig ist ihm, dass im Lehrgang „was Sinnvolles entsteht, etwas, das die Schüler und Schülerinnen zu Hause herzeigen können“. Seit seiner Jugend spielt Schnaubelt in einer Musikgruppe, der Einstieg in den Instrumentenbau verdankt sich einem Zufall: „Meine Trompete war kaputt, ich brachte sie zur Reparatur, und von da an wollte ich Blechblasinstrumentenerzeuger werden.“ Für die Lehre im Musikhaus Votruba, wo er bis heute arbeitet, übersiedelte er 1989 nach Wien.

Mechanik ausbauen, reinigen und Teile erneuern – das Restaurieren von Holzblasinstrumenten macht Maria Wallmann, die selbst Saxofon und Flöte spielt, besondere Freude. Als Lehrling der Holzblasinstrumentenerzeugung arbeitet sie in der Holzbläserwerkstatt Andreas Stolz in Innsbruck. Wallmann ist glücklich in ihrem Beruf. „Du arbeitest mit den Händen und siehst am Ergebnis, was du geschafft hast“, sagt die Kapellmeisterin aus Tirol.

Instrumentenbaudynastie

Das macht für Lisa-Maria Schwarz das Besondere am Instrumentenbau aus: „Die Menschen haben Freude mit dem, was ich gemacht habe.“ Schwarz lernt Harmonikamacherin bei Harmonika Müller und ist „mit dem Instrumentenbau groß geworden“. Seit 1679 stellt die Familie Schwarz in Molln in Oberösterreich Maultrommeln her, ihr Großvater begann vor mehr als 35 Jahren auch, Steirische Harmonikas zu bauen. Im Volksschulalter fing die Berufsschülerin an, Zither und Harmonika zu spielen. „Wenn du selbst spielst und baust, lernst du das Instrument von zwei unterschiedlichen Seiten kennen.“

Handwerk wie vor 300 Jahren

Das möchte auch Günther Meinhart. Er spielt Gitarre und arbeitet bei Fant Guitars in Faistenau in Salzburg. Lange schon hatte der gelernte Elektriker den Wunsch, „etwas Kreatives zu machen“. An der Streich- und Saiteninstrumentenbaulehre fasziniert ihn, dass „heute vieles so gemacht wird wie bereits vor 300 Jahren“.

Der Zugang zur Ausbildung war früher jedoch durch das Zunftwesen nördlich der Alpen, beispielsweise im Geigenbau, streng reglementiert, erklärt Matthias Bölli. Der Meister im Streich- und Saiteninstrumentenbau unterrichtet die jeweiligen Schüler in den MUS-Klassen und arbeitet für den Geigenhersteller Bölli & Münzberg in Wien. „Das Handwerk kann man üben. Wichtig ist, dass bei den Lehrlingen die Motivation und der Wunsch zu lernen bestehen.“

Millimeterarbeit im Klavierbau

Für Monika Schwarz war klar war, dass sie nach der Matura „was mit Musik“ machen wollte. Sie lernt Klavierbau in der Bösendorfer-Klavierfabrik. Besonders gern verrichtet sie „die feinen Arbeiten. Zum Beispiel Mechanikeinstellen, Stimmen und Intonieren.“

Diese Millimeterarbeit gestaltet sich nicht immer einfach, „der Umgang mit Werkzeug war ungewohnt für mich, alles war so neu, aber sehr spannend“, erinnert sich Tamara Bruckner. Nach einem Arbeitsalltag in der Gastronomie begann sie eine Klavierbaulehre im Klavierhaus Langer in Klagenfurt. „Musik ist mein Hobby. Ich habe mich richtig entschieden.“ Sie möchte auch andere zu einer Instrumentenbaulehre motivieren. Menschen, die neue Musikinstrumente bauen oder alte restaurieren, sagt sie, tragen dazu bei, „die Musik in die Welt zu bringen“.

Die Ethik des Unerreichbaren

Beim Bauen, Stimmen und Festlegen zahlreicher Details sind für Adam McCartney „sowohl Fragen der Ästhetik als auch der Ethik“ von Bedeutung. Der aus Irland stammende Klavierbaulehrling hat bereits Komposition in Graz studiert. „Für den Beruf lernt man die objektive und statische Beschreibung eines dynamischen Phänomens – der Musik.“ Die Idee des reinen Stimmens ist für McCartney „eine abstrakte Idee, die nicht verwirklichbar ist. Die Kunst liegt im Ergebnis des Versuchs, etwas Unerreichbares zu erreichen.“ (Victoria Windtner, 9.11.2015)

Die Berufsschule für Holz, Klang, Farbe und Lack bildet in den Lehrberufen Klavier- und Cembalobau, Orgelbau, Harmonikamacher/-in, Blech- und Holzblasinstrumentenerzeugung und Streich- und Saiteninstrumentenbau aus. Organisiert wird der Unterricht in Lehrgängen zu je neun Wochen pro Lehrjahr. Bei den dreieinhalbjährigen Lehrberufen Klavier- und Orgelbau wird zusätzlich ein Lehrgang von vier Wochen abgehalten.

 

Übernommen aus:

http://text.derstandard.at/

Erziehung / Bildung

David Zehner – Warum ich ins Gymnasium zurückgekehrt bin

In der vierten Klasse stand ich vor folgender Entscheidung: Soll ich im Gymnasium bleiben oder in die HTL gehen? Spätestens nach dem Besuch der HTL am Tag der offenen Tür war mir klar, dass ich später etwas Technisches machen möchte, und so entschied ich mich, in die HTL zu wechseln. Doch im Nachhinein denke ich, dass mich das Technische ein wenig geblendet hat.

Allgemein- oder Fachwissen?

In allgemeinbildenden Gegenständen, wie Englisch und Deutsch, lernte ich in den zwei Jahren an der HTL fast nichts dazu, vor allem, weil das erste Jahr in diesen Fächern hauptsächlich dazu dient, das Niveau der ehemaligen NMS-Schüler an jenes der AHS-Schüler anzugleichen. Keine Frage, in den technischen Gegenständen lernten wir viel Interessantes und Nützliches, doch jeder muss sich die Frage stellen, was ihm wichtiger ist: Allgemeinwissen oder Fachwissen? Ich persönlich kam am Ende der zweiten HTL-Klasse zu dem Entschluss, dass mir Allgemeinwissen um einiges wichtiger ist. Außerdem ist es schwieriger, sich als Erwachsener nachträglich Allgemeinwissen anzueignen als Fachwissen.

HTL hat Potenzial

Dabei hätte die HTL durchaus Potenzial, der beste Bildungsweg für Technikinteressierte zu sein. Jedoch müsste man zum Beispiel die spärliche Anzahl an Englischstunden überdenken. Vor allem heute, da die Globalisierung so weit vorangeschritten ist, ist Englisch wichtig für jeden, der erfolgreich sein will – vor allem im wirtschaftlichen und technischen Sektor – und vielleicht einmal im Ausland leben möchte.

Andere Interessen

Jeder sollte sich einen Plan überlegen für den Fall, dass sich seine Interessen beziehungsweise Schwerpunkte ändern: Ist es einfach, nach dem Gymnasium Elektrotechnik zu studieren? Wie einfach ist es, nach der HTL Anglistik zu studieren? Fakt ist, dass HTL-Schüler an technischen Universitäten nur geringfügig besser abschneiden als AHS-Schüler. Da fragt man sich: Wozu die 37 Wochenstunden? Wozu ein Jahr länger in die Schule gehen?

Mein Tipp: Jeder, der (noch) mehrere Interessen besitzt und unbedingt studieren will, sollte die Schule wählen, die ihn am besten auf alle möglichen Szenarien nach der Matura vorbereitet. Das ist – für mich – das Gymnasium. (David Zehner, 21.10.2015)

 

Originalbeitrag:

derstandard.at/2000024009222-65

Erziehung / Bildung

Ein Handwerk mit viel Bumms

Von der Haubitze aus dem 16. Jahrhundert bis zum Nachbau einer Vorderladerkanone aus dem Dreißigjährigen Krieg: Wer den Betrieb von Stephan Zimmermann im thüringischen Stadtroda aufsucht, hat einen besonderen Wunsch. Zimmermann ist Kanonengießer und hat sich auf den Nachbau von Kanonen, Mörser und Haubitzen nach historischem Vorbild spezialisiert. „Zu uns kommen Mitglieder von Kanonenvereinen und Museumsbetreiber aus Deutschland und der ganzen Welt. Alle wollen sich von uns ihre ganz individuelle Kanone bauen lassen“, erzählt Zimmermann.

Meistens haben die Kunden ganz genaue Vorstellungen von ihrer Kanone. Als Vorlage dienen Bilder, Fotos, historische Zeichnungen oder alte Kupferstiche. „Unsere Kanonen sind originalgetreue Nachbauten und von der Bauart und Qualität vergleichbar mit den historischen Originalen“, sagt Zimmermann. Manchmal soll er aber auch eine ganz neue Waffe entwerfen nach individuellen Wünschen und eigenem Familienwappen darauf. Das Kundengespräch ist daher wichtig. Hier klärt Zimmermann, aus welchem Jahrhundert die Kanone sein soll, ob sie in Originalgröße oder maßstabsgetreu verkleinert sein soll. Welches Material gewünscht ist und welche Verzierungen. Und natürlich muss auch geklärt werden, ob es ein Kanonenrohr und eine Lafette, das heißt einen Unterbau, dazu geben soll. „Abhängig vom ursprünglichen Einsatzort des Geschützes sowie der Epoche bauen wir zum Geschützrohr auch die passende Lafette, beispielsweise Kasemattenlafetten, Blocklafetten oder Burgunderlafetten“, sagt der Kanonengießer nicht ohne Stolz.

 

Bevor es an die eigentliche Umsetzung geht, werden detaillierte technische Zeichnungen angefertigt. Anhand dieser baut Zimmermann zunächst ein präzises Holzmodell vom späteren Kanonenrohr. Auf Detailtreue legt er Wert – die Holzform dient zur Herstellung der eigentlichen Gussform, die aus einem speziellen Sand hergestellt wird. Das Kaliber, das ist die Größe des Schusskanals in dem Kanonenrohr, legt Zimmermann mit einem Metallrohr fest, das an entsprechender Stelle längs in der Mitte der Holzform platziert wird.

Der Sand, der zur Herstellung der Negativform des Kanonenrohres verwendet wird, ist mit einem speziellen Bindemittel versehen und härtet schnell aus. In die Form wird später das flüssige Metall, entweder Bronze oder Eisen, gegossen. „Flüssiges Eisen ist bis zu 1.300 Grad Celsius heiß. Bis ein Kanonenrohr aus Eisen vollständig abgekühlt ist, dauert es ein bis drei Tage, Bronze muss sogar, je nach Größe des Rohres, fünf bis sechs Tage abkühlen“, sagt Zimmermann. Abschließend wird jede gefertigte Kanone einem intensiven Test unterzogen. Dazu macht Zimmermann nach jedem Guss einen Materialtest. Gibt es Hohlstellen im Guss? Hält das Material einem Abschuss stand? Darüber hinaus werden Haltbarkeit und Schusstauglichkeit zusätzlich auch vom Amt für Materialwesen überprüft.  

Die von Hand gebauten Geschütze haben ihren Preis: Von wenigen Hundert Euro für ein maßstabsgetreues Modell bis zu fast 70.000 Euro für ein aufwendig verziertes Bronzerohr inklusive beschlagener Lafette aus Eschenholz werden für die eigene Kanone fällig. 

 

Kanonengießer brauchen technisches Verständnis sowie umfangreiche Kenntnisse im Bereich der Metallproduktion und -bearbeitung. Sie müssen körperlich robust sein und fit in Geschichte. Eine Ausbildung wird in Deutschland nicht angeboten. Zimmermann hat sein Wissen durch intensives Studium von Fachliteratur und seine Arbeit in einer Gießerei erworben. Den Großteil hat er sich durch Learning-by-doing beigebracht. Damit er überhaupt Schusswaffen herstellen darf, war außerdem eine Fachkundeprüfung in der Waffenschule in Suhl nötig. Nur wer sie besteht, ist als eingetragener Hersteller für den Bau von Geschützen befähigt und bevollmächtigt.

Jobs als angestellte Kanonengießer gibt es allerdings kaum. Zwar fertigt Zimmermann in seinem Betrieb mehrere Dutzend Kanonenrohre und komplette Geschütze im Jahr. Er beschäftigt aber keine weiteren Angestellten. „Der Bedarf ist überschaubar, bundesweit weiß ich nur von zwei weiteren Kanonengießern“, erzählt er. Trotzdem findet er den Beruf großartig. „Jeder Auftrag ist ein Unikat und ich übe einen fast einzigartigen Beruf aus. Wer kann das schon von sich behaupten?“

  •  Gehalt: Abhängig von der Auftragslage
  • Arbeitszeit: Abhängig von der Auftragslage
  • Ausbildung: Keine Ausbildung im klassischen Sinne möglich, Vorkenntnisse aus einem metallverarbeitenden Beruf von Vorteil

 

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http://www.zeit.de/karriere/beruf