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Eltern

Lass mich mal machen!

Für meinen Freund war unsere Tochter das erste Kind, und natürlich war er außer sich vor Freude. Für mich war es das zweite, meine Freude war um kein Haar kleiner, aber ich wusste auch, wie sehr sich unser kleiner Patchwork-Kosmos damit verändern würde.

Mein Sohn aus erster Ehe war damals acht Jahre alt. Ich hatte mit ihm Dreimonatskoliken und Nicht-Einschlaf-Terror durchgestanden, dickbackiges Zahnen, Fieberkrämpfe und Knochenbrüche, Fremdel-, Trotz- und erste Cool-Phasen. Ich hatte ungezählte Spielplatznachmittage absolviert, Elternabende auf Kindergartenstühlchen abgehockt, Fledermaus-Faschingskostüme genäht und Piratengeburtstage organisiert, immer nach Kräften von seinem leiblichen Vater unterstützt.

Als meine Tochter auf die Welt kam, verfügte ich über einen klaren Wissensvorsprung qua Erfahrung. Blöderweise habe ich ihn nicht nur zum Vorteil aller eingesetzt.

Ich habe meinem Freund nicht zugetraut, dass er es genauso gut machen wird wie ich – oder anders gut. Seine ersten Wickelversuche sahen so aus, wie erste Wickelversuche eben aussehen. Die nur zaghaft angelegte Windel rutschte von dem winzigen Po, der Inhalt verteilte sich im Body, Anfängerscheiß.

Ich hab ihn natürlich trotzdem weiter wickeln lassen, wickeln lernt jeder.

Auch eingefrorene Muttermilch auftauen und auf Fläschchentemperatur erwärmen kriegt Mann hin. Jäckchen anziehen, enge Bodys über den Kopf friemeln, baden, tragen, trösten, in den Schlaf wiegen – klar haben wir uns das geteilt. Ich habe bald nach der Geburt wieder tageweise gearbeitet, oft bis in die Nacht. Wir hatten eine Kinderfrau, aber abends war Papaschicht.

Trotzdem bin ich in die Falle getappt, die gerade Frauen sich gerne stellen. Die Falle der Perfektion. Wenn ich heimkam und unsere Tochter selig schlief, schlich ich noch einmal an ihr Bettchen, um zu sehen, ob alles in bester Ordnung war. Der Reserveschnuller in Reichweite, das Deckchen nicht weggestrampelt, die Windel nicht in den Kniekehlen.

Ein kurzer Kontrollgang durch die Küche, hui, da war ja wieder einiges liegen geblieben. Der Wäschekorb stand da, wo ich ihn hatte stehen lassen. Mein Freund muss auf dem Weg zum Kellerbier elegant über ihn hinweggestiegen sein. Diese Übung scheinen Männer irgendwie ganz gut zu beherrschen.

Also Küche gewienert, noch eine Wäsche gewaschen, eine Ladung aufgehängt, weil ich auch Wäscheaufhängen irgendwie smarter erledige. Mein Freund warf die klammen Teile immer lässig über die Leine, ich zog sie schön glatt auseinander, so trocknen sie schneller und krumpeln nicht so. Auch die Mühsal des Kochens habe ich ihm weitgehend erspart. Ich gelte als exzellente Köchin, mein Partner – inzwischen sind wir verheiratet – wird nicht müde, mich dafür zu loben. Geschickt irgendwie: Denn die Bessere ist des Guten Feind, und die Zuständigkeiten sind damit klar verteilt.

Als Doppelverdienerpaar zählen wir uns zu den modernen Partnerschaften, in Wahrheit sind wir mit der Geburt unserer Tochter in das eine oder andere abgelegt geglaubte Traditionsmuster zurückgefallen. Trotz aller selbstverständlichen Emanzipation habe ich meinen Mann von manchem Handgriff konsequent abgehalten. Und wir sind nicht allein.

Wenn ich mich umschaue, sind da viele berufstätige Mütter, die nach wie vor für all die Dinge zuständig sind, für die ihre Hausfrauenmamis in den Sechziger- oder Siebzigerjahren auch schon zuständig waren. Kindergeburtstage, Arztbesuche, Elternabende, Klamotteneinkäufe, Kinderkrankenpflege, Hausaufgabenbetreuung, Haushalt und die Gestaltung des Sozialprogramms.

Ich rufe meine Freundin Tina an und habe ihren Mann am Apparat. Ob man sich mal trifft, ohne Kinder gar? “Das musst du mit meiner Frau besprechen”, sagt er. “Sie plant das alles. Ich kenne mich da nicht aus.” Meine Freundin Andrea, Mutter dreier Töchter, die nach mehrjährigem Erziehungsurlaub wieder als Flugbegleiterin arbeitet, kocht ihrem Mann vor jedem Fernflug für vier Tage vor. Sie schreibt ihm auf einen großen Zettel, wann die Kinder Schulproben haben und wann sie das Turnzeug mitnehmen müssen, sie schreibt ihm sogar auf, dass er den Briefkasten leeren und die Blumen gießen soll. Einmal rief er sie nachts um halb vier Ortszeit im Hotel in Shanghai an, weil er zu Hause mit der Tochter an einer Mathehausaufgabe rumrätselte.

“Schatz, nur ganz kurz, was waren Primzahlen noch mal?” Nun könnte man sich fragen, ob der Mann ein bisschen belämmert ist. Ist er aber nicht. Er ist Chef einer eigenen, mittelständischen Firma, er liest politische Wochenmagazine und hat auch ansonsten alle beieinander.

Er ist nur von seiner Frau über all die Jahre von vielem frei- und ferngehalten worden.

Das mag wahnsinnig antiquiert klingen, aber es ist nach wie vor die Regel. Eine Forsa-Studie von 2009 befragte deutsche Männer und Frauen, die in einer Partnerschaft mit Kindern leben, wer zu Hause wie viel Familienarbeit übernimmt. Zwei Drittel der Frauen gaben an, sie wuppten das meiste, elf Prozent sogar “alles”. Die Männer räumten zu sechzig Prozent ein, sie trügen nur den kleineren Teil bei, weitere zehn Prozent schlicht “gar nichts”.

Soziologen, die bekanntermaßen dazu neigen, Phänomene zu pathologisieren, haben für dieses Symptom das Emblem des “Maternal Gatekeeping” gefunden. Die mütterlichen Türsteher, so die These, halten ihre Männer von familiären Aufgaben ab, weil sie den Mann nicht als gleichberechtigten und gleichermaßen kompetenten Elternteil akzeptieren und aus ihrer häuslichen Herrschaftsdomäne einen Teil ihres Selbstbewusstseins ziehen. Eine Langzeitstudie des deutschen Familien- und Sozialforschers Wassilios Fthenakis kommt zu dem Ergebnis, dass etwa jede fünfte Frau den väterlichen Einsatz im Familienleben ausbremst.

Ich halte mich nicht für eine Gatekeeperin, schon aus purem Freiheitsdrang und Freude an der Arbeit möchte ich mir die Erziehung möglichst partnerschaftlich teilen.

Dass das im Alltag nicht immer so glatt läuft wie auf dem soziologischen Reißbrett, steht auf einem anderen Blatt. Mein Mann ist ein Viel- und Langarbeiter. Sein Arbeitgeber hält Familienfreundlichkeit prinzipiell für eine tolle Sache, die aber ab Führungsebene irgendwie nicht mehr so richtig machbar ist.

So treffen wir uns nie wirklich in der Mitte.

Auch ich gehöre zu den zwei Dritteln der Frauen, die zu Hause das meiste tun, weil niemand anderes greifbar ist. Auch ich muss viele Themen und erzieherische Konflikte spontan alleine lösen, weil der Vater gerade nicht erreichbar ist. Aber ich arbeite daran, aus purem Perfektionsdrang nicht noch das zu übernehmen, was durchaus von seiner Seite beizutragen wäre. Ganz bewusst halte ich mich jetzt öfter mal ganz raus und verkneife mir Gemäkel, wenn’s nicht nach meiner Linie läuft. Dann bin ich mal für ein paar Tage weg, eine Woche sogar. Anfangs habe auch ich noch Instruktionen geschrieben, inzwischen weiß ich: Es geht auch ohne.

Anders vielleicht, als ich es machen würde, aber darum nicht schlechter.

Meine Fliegerfreundin sagt, ihr macht es nichts mehr aus, wenn sie von einer Reise heimkommt und ihr Kinder die Türe öffnen, die sie nur an der Stimme als die eigenen erkennt, weil sie wie Flickenteppiche angezogen sind. Röcke über den Hosen, wildeste Farb- und Mustermixturen, Sommerkleider im Winter. Ihr Mann legt auf so etwas keinen Wert, kein Kind ist deswegen bisher einer Erkältung oder Mobbing zum Opfer gefallen, also warum aufregen? “Er hat sein eigenes System, und das gilt, wenn ich nicht da bin.” Sie hat recht. Während ich diese Zeilen schreibe, packt mein Mann gerade mit unserer Tochter den Koffer für ihr Ferienreitcamp.

Früher hätte ich noch mal kontrolliert, ob auch wirklich alles drin ist und sicher irgendwo nachgebessert. Jetzt sage ich nur: “Prima, wollen wir dann los?” Irgendwo hört die Blödheit aus eingebildetem Schlauheitsvorsprung ja auf.

Originalbeitrag lesen:

http://www.nido.de/artikel/

Kinder

Sind Sie mehr als zehn Stunden in der Woche mit dem Thema Schule beschäftigt?

Hausaufgaben kontrollieren, Vokabeln abfragen, bei der Vorbereitung des Referates helfen – sind Sie mehr als zehn Stunden in der Woche mit dem Thema Schule beschäftigt? Machen Sie mit bei unserer Umfrage!

Nicht wenige Eltern schulpflichtiger Kinder haben oft das Gefühl, dass sie selbst noch einmal die Schulbank drücken müssen: Denn ohne ihre Mithilfe beim Lernen, bei den Hausaufgaben oder bei der Vorbereitung von Referaten ist das Pensum für ihren Nachwuchs kaum noch zu bewältigen. Und so wird in vielen Familien nach dem Feierabend am heimischen Küchentisch noch gepaukt, abgefragt und erklärt read more »

Eltern

Aus dem Lot

Und, fragten alle, nachdem wir zwei Kinder hatten, fühlt ihr euch jetzt komplett? Ich wusste nie, was ich darauf antworten sollte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich mit dem Kinderthema noch nicht durch war. Die Babykleidung konnte ich verleihen, aber nicht weggeben. Familien mit zwei Kindern fand ich langweilig. Alles geht genau auf: zwei Erwachsene auf zwei Kinder. Vier Personen an einem viereckigen Tisch. Vier Menschen in einem Auto. Warum es nicht auch mal ein wenig unpraktisch haben? Bequem sein darf es, wenn ich alt bin. Dachte ich. read more »

Eltern

Fragen verboten!

Wenn man 42 Jahre alt wird, ohne Vater zu werden, bedeutet das üblicherweise, dass es Gründe dafür gibt. Es könnte sein, dass ich mir die nächsten (und vielleicht letzten) dreißig Jahre meines Lebens nicht versauen will. Es könnte auch sein, dass ich meine Arbeit und meine Freiheit über meinen Fortpflanzungsdrang stelle. Vielleicht sorge ich mich auch nur, dass meine schöne Freundin nachlässig und dauergestresst wird, wenn wir erst Kinder bekommen. Es wäre auch denkbar, dass ich zeugungsunfähig bin. Oder dass meine Freundin keine Kinder bekommen kann. Oder dass wir es seit Langem versuchen, es aber nicht klappt. Oder dass wir es versucht haben, es geklappt hat und sie das Kind verloren hat. All diese Antworten wären plausibel, Belege dafür begegnen mir täglich, doch wie immer die richtige Antwort auch lauten mag – sie geht niemanden etwas an, außer meine Freundin und mich. read more »

Babys

Sanfte Geburt per Kaiserschnitt?

Kaisergeburt – so nennt sich der neueste Trend beim Kaiserschnitt: Die Eltern können zuschauen, wie der Arzt das Baby aus dem Buch hebt. Danach darf es sofort zum Kuscheln auf die Brust der Mutter. Wie die Kaisergeburt genau funktioniert? Wir haben nachgefragt.

Kaisergeburt – was ist das?

Die Geburt im OP ist in den letzten Jahrzehnten immer schonender für Mutter und Kind geworden. Aber etwas ist bisher unverändert geblieben: Auch wenn die Mutter nur eine Periduralanästhesie (PDA) hat, bekommt sie ihr Baby erst nach einiger Zeit in den Arm gelegt – fertig abgenabelt und meist schon angezogen oder zumindest in trockene Tücher gehüllt. Mit einer neuen Methode, der so genannten Kaisergeburt, ist es jetzt erstmals möglich, dass das Baby auch nach dem Kaiserschnitt schon seine ersten Lebensminuten auf der Brust der Mutter genießen kann. Der unvergleichliche Duft, die ersten innigen Blicke – all das gehört gleich den Eltern. Und der Vater darf sogar die Nabelschnur durchtrennen. read more »

Eltern

Alle doof außer wir

Die Jagd ist eröffnet. Man erkennt das daran, wie sie ihre Köpfe senken. Ein leichtes Schaudern durchbebt ihre Leiber, bevor sie auf ungute Art fest werden – ungefähr so wie ein angetrunkener Mann, von dem man ahnt, dass er gleich losschlagen wird. Ihre Augen fixieren die Beute, folgen ihr wie nebensächlich, und lassen sie trotzdem nicht aus dem Blick. Sie lassen sie sogar ein, zwei Mal vorbeispazieren und warten, bis der geeignete Moment gekommen ist, um zuzuschlagen. Da! Die Beute verzieht sich, ein Mitglied der Brut hat sich auf der anderen Seite in einem Holzgerüst verkeilt. Der Augenblick ist mehr als günstig. Los geht’s. „Also ehrlich“, sagt die eine, „hast du das gesehen? Trägt ihr Kind nach vorne gedreht im Baby-Björn. Das Baby war doch höchstens drei Monate alt. Wie soll das denn die ganzen Eindrücke verarbeiten können!“ read more »

Kinder

Wie glücklich machen Kinder?

Wer sich ein Kind wünscht und es dann auch bekommt, erwartet, dass es einen glücklich macht. So wie es sich ja eigentlich mit jedem Wunsch verhalten sollte, der einem erfüllt wird. Rike Drust kann sich noch gut erinnern, wie sie hochschwanger war und Bilder in ihrem Kopf herumspukten: ihr Mann und sie, an den Türrahmen gelehnt. Sie schauen verliebt auf ihren kleinen Sohn, warmes Sonnenlicht fällt in das Zimmer, das Baby liegt in seinem Bettchen, gluckst vor sich hin, dicke Bäckchen, süße Fäustchen, ein vollkommener Moment, das reine Glück. „Ich hatte so weich gezeichnete Fantasien, wie im Film. Die die meisten anderen werdenden Eltern vermutlich auch haben.“ read more »

Eltern

Schmerz empfinden und bewältigen lernen

Kleine Kinder reagieren oft sehr intensiv auf Schmerzen oder lassen sich mit einem einfachen „Ist ja schon gut“ nicht besänftigen. In jeder Situation Verständnis für das als übertrieben empfundene, kindliche Bedürfnis nach Hilfe oder Trost aufzubringen, ist für Erwachsene nicht immer leicht. Tatsache ist aber, dass auch emotionale Bedürfnisse des Kindes mit in das Schmerzempfinden hineinspielen. Schreck, Scham, Angst und natürlich auch das natürliche Bedürfnis nach Zuwendung können das Empfinden des Schmerzes verstärken. Hier ist auch die Vorbildfunktion der Eltern wichtig. Wenn Elternteile ihren Leiden besonders viel Aufmerksamkeit und Raum geben, werden auch Kinder eher viel Zuwendung und Hilfe erwarten.

Hinzu kommt, dass Säuglinge gar nicht und Kleinkinder nur bedingt deutlich machen können, wo genau das Problem liegt oder was ihnen fehlt. Dadurch sind sie z.B. während einer Säuglingskolik oder beim Zahnen dem Schmerz ganz anders ausgeliefert als Erwachsene. Es ist völlig in Ordnung, kleinen Kindern kindgerechte Medikamente zu geben, die den Schmerz beispielsweise beim Zahnen lindern. Wichtig ist, dass Eltern die Schmerzen ihrer Kinder ernst nehmen. Auch Zaubersalbe oder bunte Pflaster sind erlaubt. Viele Eltern befürchten, dass durch solche Spiele zu viel Theater um die kleinen „Wehwechen“ der Kleinen gemacht werden könnte – dass der Schmerz als Aufmerksamkeitsmagnet instrumentalisiert wird. Dr. med. Raymund Pothmann vom „Zentrum Integrative Kinderschmerztherapie“ sieht da kein Problem: „Einfache Ablenkstrategien wie Wegblasen von Seifenblasen, das Drücken der Hand der Mutter oder bei älteren Kindergartenkindern ein, Walkman mit ihrer Lieblingsmusik sind ebenfalls geeignet, die Bewältigungskompetenz des Kindes zu steigern.“ Wenn es im Rahmen bleibt, sind spielerische Maßnahmen wie z.B. Rollenspiele durchaus geeignet, um der Auseinandersetzung mit dem Schmerzerlebnis eine erlebbare Form zu geben. Trost ist nie fehl am Platz, wenn das Kind Schmerz kundtut. Es ist aber gut, das Kind danach schnell wieder vom Thema abzubringen und zu zeigen: Das Leben geht jetzt weiter! Das Kind hat so das Gefühl behütet, gut versorgt und vor allem verstanden zu werden. Das ist genauso wichtig wie das Pflaster über dem Kratzer selbst. read more »

Eltern

Wenn ein Kind sitzen bleibt, was ist zu tun – Sitzen bleiben

Bald beginnen wieder die Sommerferien und die Kinder bekommen die Zeugnisse. Für viele ist es beängstigend, denn sie haben in manchen Fächer schlechte Noten, können sitzen bleiben und werden deshalb nicht ins neue Schuljahr versetzt. Sinnvoll ist es für Eltern und Kinder, aus dieser Situation das Beste zu machen. read more »